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EnEV, Energieeffizienz & Energieausweise

Was ihr zu diesen Begriffen unbedingt wissen müsst

Die „Energieeffizienz“ begegnet uns täglich, ob in Gebäuden, bei Haushaltsgeräten oder in sonstigen Lebenslagen. Grundlage für diesen Begriff ist die Energieeinsparungsverordnung, kurz die EnEV.

Die EnEV ist ein wichtiges Instrument der deutschen Energie- und Klimaschutzpolitik, das 2002 in Kraft trat. Sie soll dazu beitragen, dass die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung erreicht werden. Zu diesen Zielen gehört vor allem ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand bis zum Jahr 2050.

Um kurz die Begriffsverwirrung zu klären: die letzte große Gesetzesnovelle auf diesem Gebiet fand im Mai 2014 statt und wird EnEV 2014 genannt. Im Januar 2016 traten Anforderungsänderungen in Kraft, die man gelegentlich mit den Begriffen EnEV 2016 oder EnEV 2014 mit Änderungen 2016 beschreibt. Allerdings wird die Bezeichnung als EnEV 2014 größtenteils beibehalten.

 

EnEV und die Prinzipien

Durch die Zusammenfassung von Heizungsanlagenverordnung und Wärmeschutzverordnung wurde der bisherige Bilanzierungsrahmen in zweifacher Hinsicht erweitert: Zum einen werden mit der Einbeziehung der Anlagentechnik in die Energiebilanz auch die bei der Erzeugung, Verteilung, Speicherung und Übergabe der Wärme entstehenden Verluste berücksichtigt.

Zum anderen wird der Energiebedarf primärenergetisch bewertet. Das geschieht, indem die durch Gewinnung, Umwandlung und Transport des jeweiligen Energieträgers entstehenden Verluste mittels eines Primärenergiefaktors in der Energiebilanz des Gebäudes Beachtung finden. Damit kommt sie einer Ökobilanz sehr nahe.

Der erweiterte Bilanzierungsrahmen ermöglicht die Verrechnung des Faktors Anlagentechnik und baulicher Wärmeschutz in der Gesamtbilanz eines Gebäudes. Kurz gesagt: man kann eine schlechte Wärmedämmung mit einer effizienten Heizanlage ausgleichen oder umgekehrt. Eine der größten Anforderungen für Neubauten ist der Jahresprimärenergiebedarf im Vergleich zu einem Referenzgebäude gleicher Geometrie und Abmessung und vorgegebenen technischen Eigenschaften. Was zusätzlich einzuhalten ist, ist ein vom Gebäudetyp abhängiger Grenzwert für den auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlust.

Erstmals stellt die EnEV auch Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz und ermöglicht die Berücksichtigung solcher Wärmegewinne.

Alles verstanden? Macht euch keine Sorgen wenn nicht! Die EnEV ist ein technisches Regelwerk und so richtig verstehen es nur die, die sich mit technischem Wissen regelmäßig beschäftigen. Wenn ihr eine Immobile kaufen möchtet wird euch die Arbeit von dem Bauträger abgenommen.

Für das Berechnungsverfahren der anzuwendenden technischen Regeln enthält die EnEV viele statistische Verweise auf bestehende EN/DIN-Normen. Die jeweiligen Normen werden mit ihrem Ausgabedatum zitiert und sind somit indirekt Bestandteil der EnEV. Die Berechnungsverfahren der EnEV sind seit der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 heute auf ein mehr als 100 Seiten starkes Normenwerk für die Bewertungsmethoden angewachsen. Aus diesem Grund wurde die EnEV-easy-Methode entwickelt. Sie hilft dabei, die Komplexität der Regelwerke zu reduzieren und trotzdem noch die EnEV und EEWärmeG zu verstehen und einzuhalten.

Die wichtigsten Anforderungserhöhungen aus dem Jahr 2016

Die Energieeffizienz des Gebäudes
Der höchstzulässige Jahresprimärenergiebedarf (zum Heizen, Wasser erwärmen, Lüften und Kühlen) sinkt um 25 Prozent im Vergleich zur aktuellen EnEV 2014.

Wärmeschutz des Gebäudes
Ebenso sinkt der maximal erlaubte mittlere Wärmeverlust durch die Gebäudehülle um 20 Prozent. Wie man sehen kann, handelt es sich also um signifikante Anforderungen, die für Wohnneubauten ab dem 01.01.2016 gelten.

 

Grundbegriffe der Energieneuregelungen

Der Primärenergiebedarf
Dieser Bedarf berücksichtigt neben dem Energiebedarf für Heizung und Warmwasser auch die Verluste, die von der Gewinnung des Energieträgers an seiner Quelle über Aufbereitung und Transport bis zur Verteilung und Speicherung im Gebäude entstehen.

Energiebedarf
Darunter versteht man die berechnete Energiemenge, die bei deutschlandweit gemittelten Klimaverhältnissen zur Deckung des Heizwärmebedarfs und des Trinkwasserwärmebedarfs einschließlich der Verluste der Anlagetechnik benötigt wird. Die Größe der Energiemenge hängt von euren jeweiligen Lebensgewohnheiten und euren örtlichen Klimaverhältnissen ab. Aber auch anhand des dokumentierten Strom-, Öl-, Gas-, Holz- oder Kohleverbrauchs sind Rückschlüsse auf die energietechnischen Qualitäten des Gebäudes möglich.

Heizwärmebedarf/Trinkwasserwärmebedarf
Der Heizwärmebedarf ist die Energiemenge, die beispielsweise durch Heizkörper an einen Raum abgegeben wird. Laut der EnEV wird für neu gebaute Häuser der Niedrigenergiehaus-Standard mit einem spezifischen Heizwärmebedarf von 40-70kW (m² x a) gehortet.

Der Trinkwasserwärmebedarf ist die Energiemenge, die man dem Trinkwasser zum Erwärmen hinzufügen muss.

Was ihr als Eigentümer einer Immobilie für die Beachtung der Regeln der EnEV wissen müsst, kann euch Stefan Flockemann, Leiter der Planungsabteilung für Technische Gebäude Ausstattung (TGA) bei der Schultheiß Projektentwicklung AG, beantworten. Er ist ausgebildeter Gas- und Wasserinstallateur und hat die Meisterprüfung in Versorgungstechnik und Energieberatung erfolgreich absolviert. Wir haben ihm die wichtigsten Fragen gestellt.

Muss ich meine Lebensgewohnheiten einschränken oder auf Komfort verzichten, wenn ich in einem Wohngebäude lebe, für das die EnEV mit ihren Änderungen 2016 gilt?
Ganz im Gegenteil: Ihre Immobilie wird komfortabler, wenn die Anforderungen an Gebäudetechnik und Gebäudehülle höher werden. Seit der Verschärfung der Mindestanforderungen haben wir zum Beispiel vermehrt auf den Einsatz von regenerativen Energien für die Gebäudetechnik gesetzt. Dazu gehören unter anderen Blockheizkraftwerke, die zusätzlich zur Wärme auch Strom erzeugen, oder Wärmepumpen. Die Gebäudehülle wird durch die höheren Anforderungen an Dämmung und Fenster immer dichter, deswegen bauen wir in unsere Wohnanlagen Lüfter mit Wärmerückgewinnung ein. So wird die Wohnung immer mit ausreichend frischer Atemluft versorgt, ohne dass die Wärme dabei verloren geht.

Was ist ein Referenzgebäude?
Für die Vereinfachung eines EnEV-konformen Bauwerks wurde das sogenannte Referenzgebäude erschaffen. Dieses gibt eine bestimmte Anlagentechnik sowie festgelegte Anforderungswerte für die thermisch relevanten Bauteile vor. Wenn ein Bauherr sich beim Bau seiner Immobilie an diese Grenzwerte hält hat er automatisch die EnEV erfüllt.

Was ist ein Energieausweis, wie hängt er mit der EnEV zusammen und muss ich als Käufer und späterer Eigentümer einer Immobilie diesen Ausweis haben?
In einem Energieausweis stehen die Werte der EnEV-Berechnung. Eigentlich umfasst eine komplette EnEV-Berechnung oftmals mehr als 100 Seiten, für einen Nicht-Fachmann also nur schwer zu verstehen. Daher werden auf dem Energieausweis nur die Endergebnisse dieser Berechnungen dargestellt. So ist es für jeden verständlich.

Als Eigentümer einer Immobilie benötigt man den Energieausweis für eine Vermietung oder einen Verkauf. So kann man interessierten Mietern oder Käufern belegen wie gut oder wie schlecht seine Immobilie in Hinsicht auf die Energieeffizienz ist. Daraus lassen sich auch Rückschlüsse auf die entstehenden Nebenkosten für die Beheizung der Immobilie ziehen.

Wie bekomme ich als Käufer einer neuen Immobilie diesen Ausweis?
Beim Erwerb einer Immobilie bei der Schultheiß Projektentwicklung erhalten Sie den Ausweis von uns. Wenn man eine Bestandsimmobilie besitzt und diese vermieten oder verkaufen möchte, muss man sich einen Energieausweis erstellen lassen. Dafür gibt es Energieberater, neuerdings kann man sich aber auch an den zuständigen Bezirksschornsteinfeger wenden.

Was dokumentiert der Energieausweis im Hinblick auf die Anforderungen der EnEV und bin ich mit dem Ausweis bei der geforderten Energieeffizienz auf der sicheren Seite?
Der Energieausweis zeigt ganz plakativ die vier Werte und eine sogenannte „Gebäudeampel“ an. Dort wird der Mindestanforderungswert für die Gebäudehülle mit dem tatsächlich erreichten Wert verglichen. Das Gleiche gilt für die Werte der Anlagentechnik, die im Haus eingebaut wurde, also Heizkessel, Solaranlage und evtl. eine Lüftungsanlage.

Welche Arten von Energieausweisen gibt es?
Es gibt zwei Erstellungsarten von Energieausweisen. Zum einen gibt es den „bedarfsorientierten Energieausweis“. Er beruht auf komplexen Berechnungen unter Einbezug der Gebäudehülle, der Fenster und der tatsächlich eingebauten Anlagentechnik. Der errechnete Wert zur Energieeffizienz kommt dem realen Wert dabei sehr nahe. Der bedarfsorientierte Energieausweis ist Pflicht für jeden Bauherrn, der ein neues Gebäude erstellen lässt.

Die zweite Erstellungsart bezeichnet man als „verbrauchsorientierten Energieausweis“. Er wird meistens für Bestandsgebäude erstellt die neu vermietet oder verkauft werden. Dafür werden einfach die Verbrauchswerte der letzten drei Jahre für Brennstoffe zur Wärmeerzeugung genommen. In Verbindung mit dem Baujahr und Nutzfläche der Immobilie errechnet das Programm dann die Energieeffizienz. Dieses Verfahren ist ungenauer, bei Bestandsgebäuden ist es aber oft zu aufwendig die Güte der vorhandenen Gebäudehülle zu klassifizieren. Das liegt daran, dass dafür Bauteilöffnungen vorgenommen und Thermografien erstellt werden müssen. Auch beim verbrauchsgeführten Energieausweis wird durch die Gebäudeampel angezeigt, ob man in eine energetisch „gute“ oder „weniger gute“ Immobile einzieht.

Wie lange gilt ein Energieausweis?
Ein Energieausweis ist 10 Jahre gültig. Danach muss man einen neuen Energieausweis erstellen lassen, wenn man die Immobilie neu vermieten oder verkaufen möchte.

Was bedeutet die Klassifizierung im Energieausweis von A-H?
Im Grunde handelt es sich bei der Klassifizierung von Gebäuden um dieselbe grafische Darstellung wie man sie von Elektrogeräten wie Kühlschränken oder Fernseher findet. Aber mit einem nennenswerten Unterschied: Während eine EnEV-konforme, nach dem aktuellen Referenzgebäude erstellte Immobilie leicht auch „nur“ eine Klasse B erreicht, was aus heutiger Sicht ein guter Wert ist, sind Elektrogeräte mit einem B schon reine Stromfresser. Bei Elektrogeräten geht es eher darum, wie viele Plus-Zeichen hinter dem A stehen. Daher ist die Vereinheitlichung der Darstellung der Ampelgrafik oft irreführend. Ein A oder ein A+ erreicht man in der Gebäudetechnik meist nur mit zusätzlichen Maßnahmen wie z.B. effizientere Anlagentechnik. Hier befindet man sich auch schnell in den Bereichen eines sogenannten „KfW“-Hauses“. Das sind Immobilien, die durch ihre besonders hohe Effizienz staatlich gefördert werden.

Was sind die Verschärfungen der Änderungen 2016 zur EnEV und wie wirken sie sich auf den Wohnungsbau aus?
Die Verschärfung hat zur Folge, dass alle Anforderungswerte, die für die EnEV 2014 erstellt wurden, noch mal um 25 Prozent erhöht wurden. Das wurde aber nicht erst 2016 beschlossen, weil man bemerkt hat, dass die bisherigen Anforderungswerte nicht ausreichend waren. Man hatte bereits 2014 den Plan die EnEV mit den heute gültigen Werten zu verabschieden. Problem war nur, dass die Industrie und die Zulieferer zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage waren ausreichend Material für den boomenden Neubaumarkt zu Verfügung zu stellen. Deswegen also die Übergangszeit von 24 Monaten, um dem Markt Zeit zu geben sich den neuen Anforderungen anzupassen. Für den Wohnungsbau bedeuten diese Verschärfungen im Prinzip nur eines: Das Bauen wurde ein wenig teurer, aber dafür kommen wir dem ehrgeizigen Ziel der Bundesregierung für das Jahr 2050 ein Stück näher.

Peter Murrmann
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