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URBAN GARDENING, die moderne Fortsetzung des Schrebergartens Die Natur kehrt in die Stadt zurück

Grün in seinen vielen Facetten ist in den Städten unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Ob Dach- und Fassadenbegrünung oder andere Ausprägungen grüner Gestaltung, die Bürgerinnen und Bürger haben die Transformation hin zu einem besseren und lebenswerteren Umfeld verstanden. Traditionelle Grünanlagen oder Parks, auch Gärten von Einfamilienhäusern erfüllen nur zum Teil die Zielsetzungen für eine grünere Stadt, weil sie im Vergleich zur Gesamtstadt zu wenig Flächen einnehmen. Der grüne Gedanke geht unkonventionelle Wege, er umfasst auch die gärtnerische Nutzung von Flächen, die vom Grau des Pflasters oder Asphalts durchzogen und der Lebensqualität nicht unbedingt förderlich sind. „Urban Gardening“ heißt das Schlagwort und ist eine Erscheinung, die die Gärten und die Beschäftigung mit Pflanzen in die Städte zurückbringen will. Auf kleinen und kleinsten Flächen werden gemeinsam Gemüse, Kräuter, Obst und Blumen angebaut, gepflegt und geerntet (Gemeinschaftsgärten). Urbanes Gärtnern reiht sich nahtlos in andere aktuelle grüne Initiativen ein. Auch Nürnberg und andere Städte der Region sind von dieser Bewegung des städtischen Gärtnerns erfasst. Diese Bewegung bekommt immer größeren Zulauf und die Initiative hat weltweit eine beachtliche Zahl von Anhängern hinter sich gebracht.


Was ist Urban Gardening?
Urban Gardening stützt sich weitgehend auf den Gedanken der Nachhaltigkeit, um einerseits Städte grüner und lebenswerter zu machen, andererseits die eigene Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, die man kennt und von denen man weiß, woher sie stammen, sicherzustellen. In diesem Zusammenhang sollen unter anderem Kontrapunkte gegen eine weitere unnötige Versiegelung von Flächen gesetzt werden.


Die Idee des städtischen Gärtnerns hat einen sehr vielfältigen und unkonventionellen Ansatz. So kommen als Anbauflächen für Nutz- und Zierpflanzen in erster Linie nicht größere Garten- oder Acker- und Grünflächen in Betracht, sondern kleinteiliges Gärtnern beginnt schon, wenn ein brauchbarer Pflanzkübel, ein Blumenkasten oder eine alte Kiste zum Bepflanzen vorhanden sind. Urban Gardening ist mobil und nicht standortgebunden. Das unterscheidet es von den Schrebergärten. Viele Beispiele in deutschen Städten, auch in Nürnberg, zeigen, dass die Pflanzelemente und Behälter für die gärtnerische Nutzung jederzeit an andere Plätze in der Stadt verlegt werden können. Das ist ein Riesenvorteil, denn wenn Flächen im öffentlichen Raum zu einem anderen Zweck gebraucht werden, ist der Umzug meist kein Problem. Und so eignet sich Urban Gardening ideal für Zwischennutzungen.


Der Ansatz und die Ziele
Der Grundgedanke sowohl bei den Schrebergärten als auch bei Urban Gardening ist der gleiche: die eigene Selbstversorgung und der Zugang zur Natur in den Stadtteilen. Urban Gardening stellt die Fortentwicklung der Kleingärten dar. Denn ein ganz wichtiges Ziel ist die Eigenversorgung der „Gärtner“ mit regionalen Nahrungsmitteln, die man aus angebauten Nutzpflanzen gewinnt.


Die Vielfalt der Pflanzen, die Biodiversität, zu erhalten, ist ein weiteres Ziel, und dabei werden häufig Pflanzen angebaut, die sonst wirtschaftlich von den Lebensmittelläden nicht rentabel vermarktet werden können. Die Stärkung der Mikroklimas, verbunden mit dem Artenschutz, die Insekten eingeschlossen, ergibt sich dabei von selbst.


Alleiniges oder gemeinschaftliches Gärtnern inmitten der Stadt auf kleinen privaten oder öffentlichen, oft vernachlässigten Flächen oder sogar auf Balkonen und Terrassen sind die typischen Erscheinungsformen. Aber auch auf Gemeinschaftsflächen von Wohnanlagen ist Urban Gardening zu Hause. Dabei spielt für die engagierten Gärtner der Kommerz keine Rolle.


Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, wenn man Urban Gardening auf den Anbau von Pflanzen und deren Verwertung reduzieren würde. Das Areal des städtischen Gärtnerns, wo immer es sich auch befindet, ist ein Treffpunkt für Interessierte. Es bietet Platz für Begegnungen und für ein Miteinander im Stadtteil und fördert so die Kommunikation und das Verständnis untereinander. Man kann dort neben Toleranz auch den sorgsamen Umgang mit Flächen in der Stadt erleben und lernen. Das ist besonders wichtig in dicht bebauten Stadtteilen mit wenig Grünflächen oder Parks.


Dieser breite Ansatz zu einer Veränderung der Lebensweise in Städten beantwortet die Frage, warum sich viele Menschen der Bewegung anschließen. Der Wunsch, die Stadt zu begrünen, spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Suche nach einem Naturzugang mitten in der Stadt für sich und die Kinder. Auch die Ablehnung des Einsatzes von Pestiziden bei Gemüse- und Obstanbau kann durchaus ein Motiv sein. Dem Urban Gardening zugrunde liegende Idee ist also sehr vielschichtig. sie folgt aber fast immer einer gesellschaftlichen und politischen Grundüberzeugung: die Herausforderungen unserer Zeit aufzugreifen und pragmatisch mitten in der Stadt umzusetzen. Der Klimawandel mit all seinen negativen Erscheinungen und Folgen ist der Motor, der das städtische Gärtnern antreibt. Das Fehlen von ausreichend Grün- und Freizeitflächen, oder das geringe Sortiment an Obst und Gemüse in den Läden sind nur ein paar Beispiele.


Was braucht man zum urbanen Gärtnern?
Zuerst benötigt man selbstverständlich eine Fläche, auf der man seine Gartenarbeiten durchführen kann. Jede Fläche ist dafür geeignet, ob im privaten oder öffentlichen Raum, ob groß oder klein, ob gepflegt oder vernachlässigt. Man braucht aber für die Nutzung nicht eigener Flächen die Zustimmung des Eigentümers oder der öffentlichen Verwaltung. Soll ein Gemeinschaftsgarten betrieben werden, dann werden sich öffentliche Flächen oder Flächen bei Wohnanlagen anbieten. Balkone oder Terrassen werden meist von Einzelpersonen gärtnerisch genutzt werden.


Für das urbane Gärtnern sind ganz unterschiedliche Pflanzbehälter für die Bepflanzung sinnvoll einsetzbar. Abhängig von der Größe der Fläche sind Pflanzkübel oder Blumenkästen, Körbe oder Kisten geeignet. Mit viel Kreativität lassen sich die Anforderungen bei kleinen Flächen leicht lösen.


Ist dagegen der Platz für das Gärtnern einigermaßen ausreichend, dann erfüllen Hochbeete nahezu alle Voraussetzungen für ein gutes, erfolg- und ertragreiches Gärtnern und sind deshalb auch sehr beliebt. Sie kommen besonders auf öffentlichen Flächen zum Einsatz und bieten genügend Raum für viele Pflanzen. Hochbeete sind der perfekte Ort für die Kultivierung von Gemüse und Kräutern. Insbesondere Gemüse findet in Hochbeeten optimale Bedingungen vor. In den unteren Schichten sorgen Gartenabfälle für einen natürlichen Dünger und etwas erhöhte Bodentemperatur. Die Ummantelung kann sowohl aus witterungsbeständigem Holz als auch aus Stein sein. Ob man die Innenwände des Hochbeets mit Folie auskleidet, ist Geschmackssache. Aber einen Maschendrahtzaun über die gesamte Innenfläche anzubringen ist sinnvoll, weil er das Eindringen von Wühlmäusen verhindert. Nicht zuletzt ist die Arbeit an Hochbeeten rückenschonend.


Und was baut man in den Hochbeeten, Kübeln, Kästen oder Kisten an? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Es gibt dazu sehr viele Vorschläge und Empfehlungen in den entsprechenden Internetseiten. Den Anbau kann man in Form von Saatgut oder Jungpflanzen vornehmen. Beim Ausbringen des Saatgutes oder beim Anpflanzen sollte selbstverständlich heimisches Gemüse dabei sein, beispielsweise Gurken, Tomaten, Spinat, Mangold, aber auch Wirsing, Lauch, Kohlrabi und Kartoffeln – eben alles, was man an regionalen Produkten gerne isst. Nicht zu vergessen die vielfältigen Salatsorten.


Für den Anbau von Kräutern ist die Kräuterspirale sehr zu empfehlen, denn sie schafft Klimazonen auf kleinem Raum. In der Anordnung ganz unten liegt der Nassbereich, dort gedeihen Brunnenkresse und Wasserminze. Darüber befindet sich der Feuchtbereich für Basilikum, Bärlauch, Dill, Kerbel oder Schnittlauch. Im sogenannten Normalbereich wachsen Boretsch, Kapuzinerkresse, Koriander und Petersilie, auch Zitronenmelisse und ganz oben Lavendel, Lorbeer, Oregano, Rosmarin und Thymian. Eine Kräuterspirale braucht allerdings einen sehr sonnigen Platz, der durchaus etwas größer sein kann.


Hochbeete und Kräuterspiralen sind derzeit voll im Trend und ihr Einsatz wird den urbanen Gärtner zufriedenstellen. Ob Urban Gardening in privaten oder öffentlichen Räumen, ob alleine oder in Gemeinschaft, ob auf kleinen, kleinsten oder größeren Flächen, die Bewegung wird sich immer mehr ausbreiten und weiteren Zulauf bekommen. Das gilt insbesondere für die Gemeinschaftsgärten in dicht besiedelten Stadtteilen mit wenig Grün. Sie verbessern die Grundversorgung des Quartiers und die Lebensqualität. Allerdings wird der Einfamilienhausbesitzer, der einen Garten sein eigen nennt, sich kaum für urbanes Gärtnern interessieren, geschweige denn daran teilnehmen.


Die häufig gestellte Frage, ist Urban Gardening eine Eintagsfliege oder eine modische Randerscheinung, ist eine rein rhetorische. Das urbane Gärtnern beruht bei uns auf dem Gedanken der Nachhaltigkeit, stellt im Kleinen ein probates Mittel gegen den Klimawandel dar, und man betreibt es meist aus gesundheitlichen und sozialen Gründen. In anderen Ländern kann Urban Gardening allerdings eine existenzielle Bedeutung haben. Das macht zwar einen großen Unterschied, ist aber für die Zukunft des urbanen Gärtnerns nicht unbedingt entscheidend.


Es handelt sich bei Urban Gardening um ein Phänomen, das in unsere heutige Zeitströmung passt und für eine Transformation hin zu einer nachhaltigen und offenen Gesellschaft steht. Gerade die junge Generation hat gar keine andere Wahl, den Gedanken der Nachhaltigkeit fortzuführen und zu zementieren. Das zeigen die Ergebnisse der Bundestagswahl 2021 bei den jüngeren Jahrgängen.


Die Uhr lässt sich nicht mehr zurückdrehen und der Klimawandel erfordert einen neuen Lebensstil, der Naturerfahrung einschließen muss. Die Produktion von Lebensmitteln muss nicht automatisch mit der Ausbeutung von Menschen und Tieren einhergehen. Wie es anders gehen kann, wird in den urbanen Gärten erprobt, mit den eigenen Händen und in der Gemeinschaft. In den dicht besiedelten Städten, in Stadtteilen mit sozial schwacher Bevölkerung, in Zeiten, da die Preise für Nahrungsmittel explodieren, sehnen sich die Menschen nach sozialen Kontakten verbunden mit der Möglichkeit, sich selbst zu versorgen. Und diese Wünsche kann Urban Gardening erfüllen.

Peter Murrmann
Text

Bilder: Adobe Stock

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